Christian Wilhelm Dohm und seine Schrift Über die bürgerliche Verbesserung der Juden

Vortrag von Dr. Wolf Christoph Seifert, Bergische Universität Wuppertal

Zwei Jahre nach dem Erscheinen von Lessings Nathan trat der preußische Diplomat Christian Wilhelm Dohm mit dem ersten Teil seines Traktats Über die bürgerliche Verbesserung der Juden an die Öffentlichkeit. Angeregt von Moses Mendelssohn forderte Dohm in seiner politischen Schrift die vollständige bürgerliche Gleichberechtigung der europäischen Juden, die Angleichung des Rechtsstatus der bislang bloß geduldeten an den aller übrigen Bürger – und sparte dabei nicht mit emphatischer Kritik am Christentum, dessen Vorurteile, so Dohm, eine produktive Einbindung der Juden in den Staat und die Gesellschaft bislang verhindert hätten. In seinem Gleichberechtigungsplädoyer erörtert Dohm die Frage nach den Bedingungen und Möglichkeiten des toleranten Umgangs der Religionen miteinander im Hinblick auf die zeitgenössische politische Praxis. Sein Buch ist damit nicht nur ein wichtiger Meilenstein der christlich-jüdischen Geschichte: Der Text und die von ihm ausgelöste gelehrte Debatte um den rechtlichen Status der Juden berühren und verhandeln grundsätzliche Spannungen im Verhältnis von Staat und Religion, die auch nach mehr als zwei Jahrhunderten noch aktuell erscheinen. Wolf Christoph Seifert (dessen kritische Studienausgabe von Über die bürgerliche Verbesserung der Juden 2015 erschienen ist) führt in Entstehung und Argumentation des Textes ein.

Dr. Wolf Christoph Seifert studierte Deutsche Philologie, Komparatistik und evangelische Theologie in Göttingen und ist seit 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine Literaturwissenschaft und Neuere deutscher Literatur an der Bergischen Universität in Wuppertal.

Eine Veranstaltung in der Reihe: NATHAN. Vorträge zum Theaterstück von Gotthold Ephraim Lessing

Mit freundlicher Unterstützung von Frau Christina Rau und der Johannes-Rau-Stiftung

Eintritt frei