Lessing bei Hannah Arendt und Jan Philipp Reemtsma

Vortrag von Dr. Ulrike Schrader

Menschsein ist keine politische Kategorie, sondern eine private.“ Mit einer nachdenklichen und zuweilen irritierenden Rede hat sich der Jan Philipp Reemtsma 1997 für den Lessing-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg bedankt. Der Literaturwissenschaftler und Gründer des Hamburger Instituts für Sozialforschung hat dazu nicht nur den Text des Nathan wieder gelesen, sondern auch die große Rede einer Vorgängerin: Die Philosophin und jüdische Emigrantin Hannah Arendt hatte den Lessing-Preis fast 40 Jahre zuvor, im Jahr 1959 erhalten. Beiden geht es um Lessings Verhältnis zur Welt, zur Politik, zur Kritik und zum Theater. Was bedeutet Freundschaft, Wärme, Brüderlichkeit – und für wen? Was Mitleid, was Wirklichkeit, was Humanität?

Arendts Rede, 15 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus, war Ausdruck ihrer schweren Verletzungen und Beleidigungen. Reemtsma, als Nachgeborener, fragt nach den Mitteilungen derjenigen, die wie Nathan den „Blick in die Hölle getan“ und gelernt haben, „dass unsere Persönlichkeit zerbrechlich ist, dass sie weit mehr in Gefahr ist als unser Leben.“ (Primo Levi)

 

Dr. Ulrike Schrader beschloss ihr Studium der Germanistik und evangelischen Theologie in Wuppertal mit einer Arbeit über „Hiob in der deutschen Literatur seit der frühen Aufklärung“. Seit 1994 ist sie Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal.

 

Eine Veranstaltung in der Reihe: NATHAN. Vorträge zum Theaterstück von Gotthold Ephraim Lessing

Mit freundlicher Unterstützung von Frau Christina Rau und der Johannes-Rau-Stiftung

 

Eintritt frei