Wie die islamisch-jüdische Symbiose in die deutsch-jüdische Geschichte kam

Vortrag von Jun. Prof. Dr. Sabine Mangold-Will, Bergische Universität Wuppertal

Lessings „Nathan, der Weise“ – das wird oft übersehen und leicht vergessen – ist nicht denkbar, ohne den „guten Sultan“, der sich überzeugen lässt. Und es war auch kein Zufall, dass die Ringparabel eben nicht in Europa, sondern im „Orient“ spielt. Während Gotthold Ephraim Lessing und Moses Mendelsohn in Berlin ihr Gespräch über die deutsch-jüdische Geschichte aufnahmen, begannen protestantische Professoren an den deutschen Universitäten mit einer Neuentdeckung des Islam als „rationale Religion“. In dieses wissenschaftliche Gespräch über den Islam mischten sich auch und gerade jüdische Gelehrte immer wieder ein, um dem christlichen Abendland den Spiegel vorzuhalten. Einer, der sich an der damit verbundenen Erzählung einer islamisch-jüdischen Symbiose beteiligte, war der Orientalist Gotthold Eljakim Weil (1882-1960). Weil leitete zwischen 1919 und 1931 die Orientalische Abteilung der Preußischen Staatsbibliothek, bevor er in Frankfurt a. M. Professor für Semitische Philologie wurde. 1935 emigrierte Weil nach Palästina, wo er bis 1946 die Jüdische Universitäts- und Nationalbibliothek leitete.

Dr. Sabine Mangold-Will ist Privatdozentin für Neuere und Neueste Geschichte an der Bergischen Universität Wuppertal und arbeitet als Akademische Oberrätin an der Universität zu Köln. 2015 war sie Gastprofessorin an der Hebräischen Universität Jerusalem, wo sie im Rahmen ihres aktuellen Forschungsschwerpunktes zum deutsch-jüdischen Orientalismus gelehrt und geforscht hat. Momentan arbeitet sie an einer Biografie des Orientalisten und Zionisten Gotthold Weil.

Eine Veranstaltung in der Reihe: NATHAN. Vorträge zum Theaterstück von Gotthold Ephraim Lessing

Mit freundlicher Unterstützung von Frau Christina Rau und der Johannes-Rau-Stiftung

Eintritt frei