Der schwierige Neuanfang deutschstämmiger Juden in Israel

Eine Lesung mit Jörg Armbruster, Stuttgart

Zehntausende jüdische Deutsche emigrierten nach Palästina, besonders während der NS-Zeit und unmittelbar nach dem Krieg. Doch die große Hoffnung, dort einen sicheren Zufluchtsort zu finden und willkommen zu sein, erfüllte sich für viele nur sehr zögerlich. Der vielfach ausgezeichnete Fernsehjournalist Jörg Armbruster hat sich auf ihre Spuren begeben und über die Gespräche mit den letzten Überlebenden ein Buch geschrieben, das im Herbst 2016 im Verlag Hoffman&Campe erschienen ist.

 Eine Veranstaltung der Begegnungsstätte Alte Synagoge in Kooperation mit der Staatskanzlei NRW, der Geschäftsstelle NRW-Israel, der Landeszentrale für Politische Bildung NRW und der evangelischen CityKirche Elberfeld.

Eintritt frei

 

 

Weitere Informationen:

Die lebensrettende Flucht aus Nazi-Deutschland nach Palästina war für viele jüdische Emigranten mit harten Einschnitten oder traumatischen Erfahrungen verbunden. Sie mussten alles hinter sich lassen, was ihnen in ihrer alten Heimat blieb und wichtig geworden

war: ihre Freunde und Nachbarn, ihre oft akademischen Berufe, ihr Umfeld, ihre Kultur, ihre Sprache, ja ihre gesamte Lebensgrundlage.

Doch die »Jeckes«, wie man die deutschen Juden abfällig nannte, wurden von den schon lange in Palästina lebenden Zionisten häufig misstrauisch beäugt als Fremde in dieser neuen Heimat. Und das bleiben viele lange Zeit – obwohl sie zum ersten Mal nicht mehr zu einer Minderheit gehörten. Auch die Überlebenden des Holocaust hatten nach 1945 in Palästina und später in Israel häufig einen schwierigen Start. Der junge Staat musste Ende der vierziger Jahre um seine Existenz kämpfen, kümmerte sich deshalb kaum um das Leid und die inneren Verletzungen, die diese den Konzentrationslagern Entkommenen mit in das gelobte Land gebracht hatten. Daher schlossen sie sich oft auch in der neuen Umgebung zusammen, wie etwa im »Kibbuz Buchenwald«.

 Jörg Armbruster ist auf bewegende Geschichten und Lebensläufe gestoßen, die davon zeugen, wie schwierig es ist, eine neue Heimat zu finden. Und er erzählt davon, wie Herkunft und Erfahrungen der »Jeckes« und der KZ-Überlebenden deren Nachfahren in der zweiten und dritten Generation bis heute prägen.

Jörg Armbruster, der Fernsehjournalist, war viele Jahre Auslandskorrespondent der ARD für den Nahen und Mittleren Osten und Moderator des ARD-Weltspiegels. In zahlreichen Dokumentarfilmen sowie in seinen Büchern „Der arabische Frühling“ und „Brennpunkt Nahost“. Die Zerstörung Syriens und das Versagen des Westens hat er sich mit den Konflikten und Wandlungsprozessen in der arabischen Welt auseinandergesetzt. U. a. erhielt er 2015 den Bayerischen Fernsehpreis für sein Lebenswerk.