Jüdische Stimmen in der "Sammlung Ulrich Föhse"

Abiturklasse des Lyceums West, 1929

Feierliche Buch-Präsentation mit jüdischen Zeitzeugen und Nachfahren aus aller Welt

Das Archiv der Begegnungsstätte Alte Synagoge beherbergt seit 2013 u.a. ein einzigartiges, umfangreiches Konvolut: Die „Sammlung Ulrich Föhse“.

Ulrich Föhse (1944-2012) war Historiker, Lehrer und Kommunalpolitiker in Wuppertal. Im Jahr 1980 hat er damit begonnen, die Adressen der in der Zeit des Nationalsozialismus emigrierten jüdischen Bürgerinnen und Bürger ausfindig zu machen, Kontakt mit ihnen aufzunehmen und sie nach ihren Erinnerungen zu befragen. Damit gilt er als einer der Pioniere einer örtlichen Erinnerungskultur und als leidenschaftlicher Versöhner und Vermittler.

Föhse ist es durch seine jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit gelungen, eine Sammlung zusammenzutragen, die auf brieflichen und persönlichen Kontakten zu über 400 Menschen in der ganzen Welt beruht. Wir dürfen diese Sammlung mit Briefen, Berichten, Dokumenten, Fotografien und Tonbändern getrost als einen Schatz bezeichnen, der allerdings immer noch auf seine Hebung wartet. Föhse hatte ursprünglich vor, eine Dissertation zum Thema zu verfassen; kleinere unpublizierte Vorarbeiten befinden sich ebenfalls in der Sammlung. Nur wenige Beiträge von Ulrich Föhse wurden auch bereits in Aufsatzbänden gedruckt.

Um der städtischen und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit in einem ersten Schritt einen Eindruck von der Quantität und Qualität dieser Sammlung zu vermitteln, hat die Begegnungsstätte Alte Synagoge einen Sammelband mit ausgewählten, kommentierten Quellen, Fotografien und einem Namens- und Ortsregister veröffentlicht, der auch als Handbuch und als Wegweiser durch die „Sammlung Föhse“ zu benutzen ist. Das Buch ist Anfang und Impuls zu einer noch ausstehenden gründlichen wissenschaftlichen Erschließung und Auswertung des Bestands, der nicht nur von lokalhistorischer Bedeutung ist.

Als Ulrich Föhse im Jahr 1980 mit seinen systematischen Recherchen begann, lebten noch viele Menschen, die die NS-Zeit nicht nur als Kinder, sondern als Erwachsene erfahren hatten und daher aus der Perspektive eines das Geschehen überblickenden Menschen erzählen konnten. Diese Stimmen sind natürlich längst verstummt, und selbst von den damals „jungen“ 50- und 60-Jährigen, die nur aus einer Kinderperspektive berichten konnten, sind die meisten inzwischen gestorben. Gleichwohl gibt es noch zahlreiche lebendige Kontakte zu den Nachfahren der Menschen, deren Dokumente sich in der „Sammlung Föhse“ befinden.

Man kann den so oft beklagten Verlust der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen auch mit dieser Publikation nicht ersetzen. Aber mit Blick auf die nachfolgenden Generationen eröffnen die darin erzählten Geschichten einzigartige Einsichten in den Alltag jüdischer Familien im Nationalsozialismus, in Umstände der Emigration und die Bedingungen des Überlebens im Exil.