Die Geschichte einer außergewöhnlichen Großmutter

Raymond Wolff (Foto: Raymond Wolff)

Lesung und Gespräch mit Achim Amme, Hamburg, und Raymond Wolff, Berlin

Der argentinische Schriftsteller Ariel Magnus will seine 1920 geborene jüdische Großmutter näher kennenlernen. Er lädt sie zu sich ein und führt viele Gespräche mit ihr. Entstanden ist ein überaus humorvolles und unkonventionelles Porträt einer Holocaust-Überlebenden, die über 50 Jahre in Brasilien lebte und die in ihrer Authentizität mit allen Klischees brach, die ohne Bitterkeit oder Selbstmitleid zeigte, wie vielschichtig das Leben ist, auch in den dunkelsten Zeiten.

Diese Großmutter, Ella Mayer, geb. Michel, hat im Juni 1984 eine Reise nach Deutschland unternommen und dabei auch Station in Wuppertal gemacht. Denn hier hatte sie als Kind für einige Jahre mit ihrer Mutter Berta und ihrer jüngeren Schwester Irma gewohnt. Später ging sie nach Hamburg, um dort den Beruf der Krankenschwester zu lernen. Dort hörte sie im Sommer 1942 von der Deportation ihrer mittlerweile erblindeten Mutter in das Ghetto von Theresienstadt.

Im März 1943 ließ sich Ella Michel von Hamburg aus freiwillig nach Theresienstadt deportieren, um ihre Mutter zu suchen. In einem der überfüllten Krankenreviere dort hat sie sie gefunden, und die Frauen blieben unzertrennlich. Im Oktober 1944 stand Berta Michel auf der Liste für einen Transport nach Auschwitz, und Ella entschloss sich, ihre Mutter zu begleiten. Sofrot nach der Ankunft aber wurden Mutter und Tochter getrennt: Berta Michel wurde in die Gaskammer geschickt, die "arbeitsfähige" Tochter Ella überlebte. Von Auschwitz führte sie ihr Weg über Schweden und Frankreich nach Brasilien, wo sie bis zu ihrem Tod Anfang 2014 in Porto Alegre lebte.

Raymond Wolff, geboren 1946 als Sohn jüdischer Emigranten, kannte Ella Michel persönlich. Mit ihrer in Argentinien und Brasilien lebenden Familie steht er bis heute in Verbindung. Ella Michels Mutter war eine Cousine seines aus Nackenheim stammenden Großvaters Heinrich.

Eintritt: 5 Euro 

Eine Veranstaltung der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk Wuppertal/ Solingen/ Remscheid und dem Literaturhaus Wuppertal e.V.