"1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – 200 Jahre im Wuppertal"

Sylvia Löhrmann (Foto: Jörn Neumann)

Jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen – das ist das Ziel des aktuellen Festjahres #2021JLID, in dem „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ auf vielfältige Weise und bundesweit gewürdigt werden. Anlass ist ein im Vatikan konserviertes Edikt des Kaisers Konstantin aus dem Jahre 321, das es Jüdinnen und Juden erlaubte, städtische Ämter in der Kurie von Colonia, dem heutigen Köln, zu bekleiden. Dieses Gesetz gilt als der früheste Beleg, dass Jüdinnen und Juden seit mindestens 1700 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands leben. Das Festjahr startete bundesweit mit der TV-Ausstrahlung des Festakts, an dem unter anderem der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Schirmherr des Festjahres teilnahmen.

Der 2018 für die Organisation und Koordination des Festjahres gegründete Verein „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“ konnte namhafte Persönlichkeiten und staatliche Institutionen gewinnen, sich zu engagieren. Finanziell werden wir von Bund, Ländern und Kommunen unterstützt. Überwältigt bin ich davon, wie viele Vertreter*innen der Zivilgesellschaft mitmachen – darunter auch die Begegnungsstätte Alte Synagoge, die mit 13 weiteren Wuppertaler Einrichtungen ein so umfangreiches und vielfältiges Programm auf die Beine gestellt hat. Dafür danke ich allen Beteiligten von ganzem Herzen!

Hunderte von Projektpartner*innen – Vereine, Verbände, Stiftungen, Volkshochschulen, Synagogen- und Kirchengemeinden – beteiligen sich mit rund 1500 Veranstaltungen an diesem Festjahr. Pandemiebedingt wird derzeit noch vieles gestreamt oder online präsentiert – wie der wöchentliche Podcast über „Jüdisches Leben heute“, ein Puppentheater, das jüdische Feiertage kindgerecht erklärt, oder die „Jewersity“-Clips über die Vielfalt jüdischen Lebens, die alle auf unserer Website www.2021JLID.de zu finden sind. Doch spätestens im Sommer hoffen wir, gemeinsam mit unseren Projektpartner*innen, verstärkt in die Öffentlichkeit gehen zu können: mit Konzerten, Theater, Podiumsdiskussionen, Lesungen, Ausstellungen und Straßenfesten wie dem Kulturfestival „Mentsh!“ oder dem weltgrößten Laubhüttenfest „Sukkot XXL“ im September.

Denn entscheidend ist ja, dass jüdische und nichtjüdische Menschen einander begegnen! Wir wollen mit dem Festjahr deutlich machen, dass das Judentum nichts Fremdes, sondern konstitutiv für Deutschland war und ist.  Und wer miteinander isst, trinkt und feiert, lernt sich kennen – und im besten Fall auch schätzen. Das erhoffen wir uns von diesem Festjahr: Dass wir nicht übereinander, sondern miteinander sprechen. Damit aus den Lehren der Vergangenheit eine Gegenwart gestaltet werden kann, die eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen in Deutschland ermöglicht.

Ein Überblick über das bundesweite Jahresprogramm
findet sich hier: https://2021jlid.de/kalender/

Sylvia Löhrmann ist Staatsministerin a.D., Generalsekretärin des Vereins „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“ und Mitglied des Fördervereins der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal.