Briefe und andere Quellen jüdischer Flüchtlinge aus Wuppertal in der Sammlung Ulrich Föhse

Abiturklasse des Lyceums West, 1929

Buch-Präsentation mit jüdischen Zeitzeugen und Nachfahren aus aller Welt

Im Rahmen eines internationalen Besuchsprogramms, zu dem die Begegnungsstätte Alte Synagoge die Kinder und Enkel früherer Wuppertaler Juden einlädt, wird ein neues Buch mit zahlreichen bisher unbekannten Zeitzeugenberichten der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Wuppertaler Schulleiter, Historiker, Politiker Ulrich Föhse (1944-2012) hat zu Beginn der 1980er Jahre damit begonnen, nach dem Verbleib der früheren jüdischen Bürgerinnen und Bürger seiner Stadt zu fragen. In internationalen jüdischen Zeitungen hat er Suchanzeigen geschaltet und auf diese Weise in kurzer Zeit über 500 Adressen bekommen.

In wenigen Jahrzehnten ist so eine beeindruckend große Sammlung an ausführlichen Erinnerungsberichten zur jüdischen Geschichte unserer Stadt gewachsen. Heute befindet sie sich im Archiv der Begegnungsstätte Alte Synagoge. Für die vorliegende Publikation wurden aus mehreren hundert Briefen dreißig Texte ausgewählt, dazu sechs weitere Dokumente und zahlreiche Fotos. Eine Übersicht über die Bestände der Sammlung und ein vollständigen Namens- und Ortsregister erschließen diesen außergewöhnlichen Quellenschatz auch für die Nutzung in der Schule und der Zeitgeschichtsforschung.

Antworten aus der Emigration.

Briefe und andere Quellen jüdischer Flüchtlinge aus Wuppertal

in der Sammlung Ulrich Föhse

Hg. im Auftrag des Trägervereins

Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal e.V.

Wuppertal, April 2918

ISBN  978-3-940199-18-8, 388 Seiten, Euro 25,00

www.alte-synagoge-wuppertal.de

 

 

Mit freundlicher Unterstützung von

• Förderverein Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal e.V.

• Firma KNIPEX Wuppertal

• Herrn Wilhelm Erfurt

• Stadtsparkasse Wuppertal

Weitere Informationen:

 

Das Archiv der Begegnungsstätte Alte Synagoge beherbergt seit 2013 u.a. ein einzigartiges, umfangreiches Konvolut: Die „Sammlung Ulrich Föhse“.

Ulrich Föhse (1944-2012) war Historiker, Lehrer und Kommunalpolitiker in Wuppertal. Im Jahr 1980 hat er damit begonnen, die Adressen der in der Zeit des Nationalsozialismus emigrierten jüdischen Bürgerinnen und Bürger ausfindig zu machen, Kontakt mit ihnen aufzunehmen und sie nach ihren Erinnerungen zu befragen. Damit gilt er als einer der Pioniere einer örtlichen Erinnerungskultur und als leidenschaftlicher Versöhner und Vermittler.

Föhse ist es durch seine jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit gelungen, eine Sammlung zusammenzutragen, die auf brieflichen und persönlichen Kontakten zu über 400 Menschen in der ganzen Welt beruht. Wir dürfen diese Sammlung mit Briefen, Berichten, Dokumenten, Fotografien und Tonbändern getrost als einen Schatz bezeichnen, der allerdings immer noch auf seine Hebung wartet. Föhse hatte ursprünglich vor, eine Dissertation zum Thema zu verfassen; kleinere unpublizierte Vorarbeiten befinden sich ebenfalls in der Sammlung. Nur wenige Beiträge von Ulrich Föhse wurden auch bereits in Aufsatzbänden gedruckt.

Um der städtischen und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit in einem ersten Schritt einen Eindruck von der Quantität und Qualität dieser Sammlung zu vermitteln, hat die Begegnungsstätte Alte Synagoge einen Sammelband mit ausgewählten, kommentierten Quellen, Fotografien und einem Namens- und Ortsregister veröffentlicht, der auch als Handbuch und als Wegweiser durch die „Sammlung Föhse“ zu benutzen ist. Das Buch ist Anfang und Impuls zu einer noch ausstehenden gründlichen wissenschaftlichen Erschließung und Auswertung des Bestands, der nicht nur von lokalhistorischer Bedeutung ist.

Als Ulrich Föhse im Jahr 1980 mit seinen systematischen Recherchen begann, lebten noch viele Menschen, die die NS-Zeit nicht nur als Kinder, sondern als Erwachsene erfahren hatten und daher aus der Perspektive eines das Geschehen überblickenden Menschen erzählen konnten. Diese Stimmen sind natürlich längst verstummt, und selbst von den damals „jungen“ 50- und 60-Jährigen, die nur aus einer Kinderperspektive berichten konnten, sind die meisten inzwischen gestorben. Gleichwohl gibt es noch zahlreiche lebendige Kontakte zu den Nachfahren der Menschen, deren Dokumente sich in der „Sammlung Föhse“ befinden.

Man kann den so oft beklagten Verlust der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen auch mit dieser Publikation nicht ersetzen. Aber mit Blick auf die nachfolgenden Generationen eröffnen die darin erzählten Geschichten einzigartige Einsichten in den Alltag jüdischer Familien im Nationalsozialismus, in Umstände der Emigration und die Bedingungen des Überlebens im Exil.