Jüdische Perspektiven in der Kunst

Vortrag von Dr. Hans Günter Golinski, Kunstmuseum Bochum

Die jüdische Kultur wird mit der Vorherrschaft des Wortes in Verbindung gebracht. Aber gerade im 20. und 21. Jahrhundert ist die Kunstentwicklung entscheidend von Künstlern jüdischer Herkunft geprägt. Es geht ihnen einerseits um die Vision, durch die Kunst Normalität, Egalität und Universalität zu schaffen, andererseits um Versuche, jüdische Identitäten auszumachen und dem jüdischen Selbstverständnis eine Form zu geben. Künstler jüdischer Herkunft bewegen sich damit seit Anfang des 20. Jahrhunderts zwischen Weltbildern, in denen Emanzipation und Assimilation, Akkulturation und Zionismus, Individualismus und Universalismus Spannungsfelder erzeugen.

Zwar sind bildliche Darstellungen durch das Zweite Gebot untersagt, aber schon mittelalterliche hebräische Bibelhandschriften beweisen, dass das sogenannte Bilderverbot hinterfragt werden muss. Allein die hebräische Schrift besitzt bereits ein großes ästhetisches und ornamentales Potential: Mit hohem künstlerischem Abstraktionsgrad führen kalligraphische Kompositionen oder der zum graphischen Element gestaltete Schriftfluss in Bereiche bildhafter Vorstellungen.

 

Der Kunsthistoriker Dr. Hans Günther Golinski ist seit 1997 Direktor des Kunstmuseums Bochum. Er hat zahlreiche nationale und internationale Ausstellungsprojekte zur Kunst des 20. Und 21. Jahrhunderts kuratiert, unter anderen 2003/2004 die wichtige Schau moderner „jüdischer“ Kunst mit dem Titel „Das Recht des Bildes“.

 

Eintritt: 3 €