Lesung und Gespräch

1939 erschien der Roman »Der Reisende«. Sein Autor, der 23jährige, deutsch-jüdische Kaufmannssohn Ulrich Alexander Boschwitz, hatte diesen unmittelbar nach den Novemberpogromen in nur wenigen Wochen verfasst. Er selber war zum Zeitpunkt der Niederschrift des Romans schon geflüchtet. Dennoch zeugt der Text von der persönlichen Betroffenheit seines Verfassers. Sachlich, nüchtern und zugleich zutiefst berührend und verstörend erzählt »Der Reisende« von dem wohlhabenden jüdischen Kaufmann Otto Silbermann, der unmittelbar nach den Novemberpogromen alles verliert, was ihm vormals Sicherheit und Reputation in der Gesellschaft verliehen hat. Ziellos reist er mit dem Zug durch Deutschland, versucht ins Ausland zu fliehen und scheitert. 

Ulrich Alexander Boschwitz teilt die Erfahrung des Heimatverlustes mit seiner Hauptfigur. Als deutschstämmiger Flüchtling wird er kurz nach Kriegsausbruch in England interniert und nach Australien gebracht. Auf der Rückreise nach Europa wird das Schiff von einem deutschen U-Boot torpediert. Ulrich Alexander Boschwitz überlebt diesen Angriff nicht und stirbt mit 27 Jahren. 

»Der Reisende« (Klett-Cotta 2018) gilt als die literarische Neuentdeckung des Frühjahrs 2018. Der Verleger und Lektor Peter Graf hat nach fast 80 Jahren der Entstehung das Manuskript überarbeitet und mit Zustimmung der Familie sorgsam ediert, so dass der Roman erstmals in deutscher Sprache erscheinen kann. Das Originaltyposkript ruhte seit den 1960er Jahren im Exilarchiv in Frankfurt am Main. 

Der Berliner Schauspieler Eugen Vereninliest Auszüge aus »Der Reisende«. 1980 in Odessa am Schwarzen Meer geboren, kam er mit seiner russisch-ukrainisch-jüdischen Familie 1994 nach Deutschland und lebte bis 2002 in Wuppertal. Peter Graf, seit über zwanzig Jahren als Lektor und Verleger tätig, gibt Einblick in die Entstehungsgeschichte des Romans und die Umständen seiner Wiederentdeckung. 

Eine Veranstaltung des Katholischen Bildungswerk Wuppertal/Solingen/Remscheid und der Begegnungsstätte Alte Synagoge

 

Eintritt 5,00 Euro