Hintergründe und Aktualität im Kontext der deutschen Migrationsgesellschaft

Vortrag von Prof. Dr. Astrid Messerschmidt, Bergische Universität Wuppertal

Antisemitismus stellt kein schlichtes Vorurteil dar, sondern ein kognitiv und emotional zusammengesetztes Weltbild, das in vielen Fällen nur begrenzt revidierbar ist. Der Vortrag geht auf die ideologische Struktur des Antisemitismus ein und fragt nach der Attraktivität antisemitischer Vorstellungen in der Gegenwart. Dabei geht es um Mechanismen der Täter-Opfer-Umkehr, der moralischen Selbstentlastung in Form der Abwehr von Erinnerung und der israelfeindlichen Projektion einer Verursacher-Figur für komplexe Weltprobleme.

Im Zusammenhang einer verspäteten Anerkennung der deutschen Gesellschaft als Migrationsgesellschaft wird das Verhältnis von Rassismus und Antisemitismus skizziert. Die Geschichte des Rassismus sensibilisiert für Anzeichen gruppenmarkierender Entwertung bis hin zur Entmenschlichung. Die Geschichte des Antisemitismus sensibilisiert für die Wirkung vereinfachender Weltbilder, die auf eindeutige und übermächtige Feinde angewiesen sind und in denen die Idee der Vernichtung angelegt worden ist.

Ansätze antisemitismuskritischer Bildungsarbeit in der gegenwärtigen Migrationsgesellschaft werden vorgestellt.

Astrid Messerschmidt (*1965), Dr. phil. habil., Erziehungswissenschaftlerin und Erwachsenenbildnerin; Studium der Pädagogik, Politikwissenschaft, Germanistik und Religionspädagogik.

Seit Sommersemester 2016 Professur für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Geschlecht und Diversität an der Bergischen Universität Wuppertal; 2014-2016 Gastprofessorin für Gender and Diversity an der Technischen Universität Darmstadt; 2009-2014 Professur für Interkulturelle Pädagogik/Lebenslange Bildung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe;2008-2009 Vertretungsprofessur für Erwachsenenbildung und Allgemeine Pädagogik an der Universität Flensburg; 2007 Gastprofessur für Allgemeine Pädagogik an der Universität Wien. Lehraufträge: Université de Fribourg/CH; Universität Innsbruck, Hochschule Mannheim, Universität Bielefeld. Gutachter- und Beiratstätigkeiten u.a. für die Bundeszentrale für Politische Bildung; Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft EVZ; Fritz Bauer Institut.

 

Eintritt: 3 €