Gerschom Scholems Polemik gegen das Wunschdenken der Nachkriegsdeutschen

Ein Abend mit Rabbiner Jehoshua Ahrens, Darmstadt

Lesung: Philipp Schepmann, Musik: Philipp Limberger, Posaune

In den 1960er Jahren verfasste der jüdische Religionshistoriker und Erforscher der jüdischen Mystik, Gershom Scholem (1897-1982) einen brillanten Essay über seine Haltung zum viel beschworenen deutsch-jüdischen Symbiose. Das Menschheitsverbrechen des Holocaustsei einzigartig und zugleich konsequent aus der deutschen Geschichte hervorgegangen. Der Versuch, die Juden zu vernichten, markiere eine historische Trennlinie, nach der beide Völker nicht weiterleben könnten wie bisher, die Deutschen noch weniger als die Juden. Das „deutsch-jüdische Gespräch“ sei eine „Illusion“, weil „mit den Toten kein Gespräch mehr möglich ist“.

Diese Schärfe steht der heutigen deutschen Erinnerungskultur und dem christlich-jüdischen Verhältnis ziemlich quer entgegen, und man könnte sich fragen, ob „Juden“ und „Deutsche“ sich nach bald 75 Jahren nicht doch versöhnlich angenähert und zu einem Gespräch gefunden haben. Immer wieder wird doch auf politischer Ebene das „jüdische-christliche Erbe“ beschworen. Aber, so meint der Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems noch Anfang 2018, „so verbindet diese Worthülse inzwischen Politiker und Ideologen von der Mitte mit zum äußersten rechten Rand.“

Der Abend kann auch dazu dienen, das Wunschdenken von deutsch-jüdischer Harmonie skeptisch zu hinterfragen und nach den Motiven zu suchen. Rabbiner Jehoschua Ahrens stellt in einer Antwort auf Scholem seine Meinung dar. 

Eine Kooperation der Begegnungsstätte Alte Synagoge mit dem Katholischen Bildungswerk Wuppertal/ Solingen/ Remscheid, der Evangelischen CityKirche Elberfeld und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Wuppertal e.V.