Der Wuppertaler Ritchie Boy John R. Wahl

John R. Wahl (Fotografie: Sammlung Kerstin C. Rounds)

Vortrag von Dana Thiele, Mitarbeiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge

1940 gelingt dem Barmer Kaufmannssohn Hans Rudolf Wahl nach einer ereignisreichen Flucht die Emigration über Kuba in die USA. Hans, der sich von nun an John nennt, wird amerikanischer Staatsbürger und geht zur Army. Als Teil einer nachrichtendienstlichen Spezialeinheit der US-Army, den sogenannten „Ritchie Boys“, kehrt er 1944 nach Europa zurück. Nach Kriegsende arbeitet Wahl als Verhöroffizier in Bayern und begibt sich privat auf die Suche nach seiner Mutter Berta, die er in Theresienstadt wiederzufinden hofft, und dem verlorenen Familienbesitz. Während er offiziell in Hersbruck, Nürnberg und Dachau stationiert ist, führt ihn sein Weg dabei auch zurück in das kriegszerstörte Wuppertal und das tschechische Liberec.

 

Biografien wie die von John R. Wahl haben bislang wenig Eingang in das deutsche Geschichtsbild von Zweitem Weltkrieg und alliierter Besatzung gefunden: Jüdische Emigranten aus Deutschland, Österreich und anderen Teilen Europas als alliierte Akteure – als Soldaten, Befreier und Besatzer, in der juristischen Aufarbeitung und bei der „Entnazifizierung“ – und als Rückkehrende mit dem Anspruch auf Wiedergutmachung, Restitution und Konfrontation. 

 

Was wir über John R. Wahls Leben und Wirken bis 1947 wissen, lässt sich auf Grundlage der „Antworten aus der Emigration“ aus dem Nachlass Ulrich Föhse und anderen Quellen rekonstruieren. Der Vortrag bündelt die Rechercheergebnisse und stellt dabei Wahls Erfahrungen von Selbstermächtigung in den Fokus.

Zoom-Einwahldaten unter: info@alte-synagoge-wuppertal.de

(werden am selben Tag verschickt)

 

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk Wuppertal/ Solingen/ Remscheid