Vortrag von Dr. Christian Streit, Heidelberg

Die sowjetischen Kriegsgefangenen bildeten nach den Juden die größte Opfergruppe nationalsozialistischer Politik. Von den insgesamt mehr als 5,6 Millionen gefangener sowjetischer Soldaten, starben etwa drei Millionen als Opfer der verbrecherischen Politik des nationalsozialistischen Regimes. Dieses hatte den Völkerrechtsgrundsatz, dass Kriegsgefangenen menschlich zu behandeln sind, rigoros verworfen. Ein entscheidender Faktor für das Massensterben war das Ziel, die Nahrungsressourcen des Ostens gnadenlos zugunsten der deutschen Bevölkerung auszubeuten. Wenn es überhaupt geringfügige Verbesserungen in der Behandlung der Kriegsgefangenen gab, dann ausschließlich deshalb, weil man ihre Arbeitskraft dringend für den Einsatz in der deutschen Rüstungsindustrie brauchte.

Bis in die 1970er Jahre war es ein Tabuthema, über das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen zu forschen, und erst seit den 1980 gab es erste Ansätze. Einen Schub erfuhr das Thema durch die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskreis 1941-1944“ (1995). In der Diskussion über die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen wurden die sowjetischen Kriegsgefangenen nicht berücksichtigt, und erst 2015, als nicht einmal mehr 2000 Betroffene am Leben waren, entschloss sich der Bundestag zu einer symbolischen Zahlung von 2500 Euro für jeden von ihnen.

 

Mit seiner Dissertation „Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945“ (1978) hat Christian Streit ein Standardwerk zum Thema geschaffen. 1990/ 2000 war Streit Mitglied der Kommission zur Überprüfung der Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskreis 1941-1944“ und 2015 Sachverständiger in der Bundestagsdiskussion über die Anerkennung und Entschädigung sowjetischer Kriegsgefangener als NS-Opfer.

Die Einwahldaten bitte unter info@alte-synagoge-wuppertal.de anfordern; sie werden Ihnen am Nachmittag des jeweiligen Vortragstags zugeschickt.