Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal

Kunst und Liebe in der Nachkriegszeit

Gisela und Alfred Andersch

Vortrag, Gespräch und Lesung mit Sven Hanushek, Annette Korolnik-Andersch und Ulrike Leuschner 

Alfred Andersch (1914-1980) war einer der wichtigsten Akteure im kulturellen Feld der bundesdeutschen Nachkriegszeit. Ehe er 1957 mit dem Roman Sansibar oder der letzte Grund seinen Durchbruch als Schriftsteller hatte, hatte er mit den Zeitschriften Der Ruf und Texte und Zeichen sowie mit neuen Rundfunkformaten Maßstäbe gesetzt. Mit dem ‚Abendstudio‘ des HR gab er der demokratischen Debatte einen Ort, in der Schriftenreihe studio frankfurt debütierten nachmals führende Dichterinnen und Schriftsteller. 1993, 13 Jahre nach Anderschs Tod, erlitt sein Andenken durch W. G. Sebalds Anwürfe und Verdächtigungen einen empfindlichen Schaden.

Das auf die Literatur der 1950er Jahre spezialisierte Jahrbuch treibhaus wartet in seinem 20., Alfred Andersch gewidmeten Band mit neuen Quellen auf, darunter als reizvollste Entdeckung mit Anderschs Briefen an seine Geliebte und spätere Ehefrau Gisela Groneuer (1913-1987). Bislang für die Benutzung gesperrt, wurden sie erstmals durchgesehen und in Auswahl herausgegeben. Sie erzählen von einer leidenschaftlichen Liebe – und vom Zusammenwachsen zweier kreativer Persönlichkeiten zu einem großen Künstlerpaar.

Die aus der Wuppertaler Kaufmannsfamilie Groneuer stammende Gisela war Malerin, Grafikerin und Fotografin. Auf Anregung ihres Mannes beschäftigte sie sich erfolgreich als Illustratorin, für Texte und Zeichen¸ für studio frankfurt und vieles mehr. Sie war eine couragierte, selbständige Frau. Bevor sie 1950 Alfred Andersch heiratete und von ihm die Tochter Annette bekam, hatte sie vier Kinder von verschiedenen Vätern. Ihre Familie in der Viktoriastraße 60 in Elberfeld, bei der sie am Kriegsende mit vier Kindern unterkam, unterstützte sie in ihrem künstlerischen Werdegang ebensowenig wie ihr Ehemann Paul Groneuer und die anderen Kindsväter. Alfred dagegen beschaffte ihr Material, fotografierte die fertigen Werke und legte ein Archiv an. Sie ihrerseits war seine kritische Leserin; auch lieferte sie ihm Artikel für den Ruf, darunter eine Theaterkritik aus Wuppertal.

Im Wechsel mit der Lektüre ausgewählter Briefe sprechen die treibhaus-Herausgeber Sven Hanuschek und Ulrike Leuschner mit Annette Korolnik-Andersch über die Geschichte ihrer Eltern, die hinterlassenen Briefe und die anstehende Editionsgeschichte.

Die Veranstaltung wird gemeinsam gestaltet vom Literaturhaus Wuppertal, dem Katholischen Bildungswerk Wuppertal / Solingen / Remscheid und der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal.

 

Der Eintritt beträgt  6,00 €, ermäßigt 3,00 €.

 

Aus Platzgründen wird um Anmeldungen gebeten: info@alte-synagoge-wuppertal.de oder 0202-563.2843.

Alfred und Gisela Andersch (Privatarchiv Andersch/Korolnik-Andersch)