Ronsdorfer Stadtgarten, Am Grünen Streifen

"Vergesst nicht die Kriegsgefangenen und Vermissten!"

Neuaufstellung des „Heimkehrer-Denkmals“ (1952) im Ronsdorfer Stadtgarten

Am "Antikriegstag" des Jahres 2026, Dienstag, den 1. September 2026, 17.00 Uhr, soll anlässlich des „Antikriegstags“ das 2006 abgeräumte „Heimkehrer-Denkmal“ wieder aufgestellt sein.

 

Das Denkmal war am 25. Oktober 1952 vom „Heimkehrerverband“ an der zur Remscheider Straße gelegenen Längsseite des Stadtgartens „Am Grünen Streifen“ errichtet worden und trug die Inschrift:

 

VERGESST NICHT DIE KRIEGSGEFANGENEN UND VERMISSTEN!

 

Ende 2006 kam das mittlerweile von Büschen zugewachsene Denkmal im Rahmen eines Rückschnitts wieder zum Vorschein. Die S-Buchstaben der Inschrift wurden dabei als Runen gelesen, die Doppel-S-Buchstaben als das Zeichen der nationalsozialistischen SS (Schutzstaffel). Polizei und Staatschutz schalteten sich ein, und unverzüglich ließ das Ressort für Grünflächen und Forsten die Stele entfernen und in ein Depot bringen.

 

Abgesehen von der Frage, ob es sich bei den S-Buchstaben tatsächlich um Runen handelt, kann die Inschrift so gedeutet werden. Darum ist auf Initiative der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal die Idee entstanden, die S-Buchstaben entfernen zu lassen und die Stele mit dieser absichtlich lückenhaften und damit konstruktiv irritierenden Inschrift wieder am originalen Standort aufzustellen.

 

Damit ist das hochinteressante Denkmal-Ensemble im Ronsdorfer Stadtgarten wieder vollständig. Darüber hinaus hat die Aufstellung dieser Stele vor dem Hintergrund aktueller Aggressionen und Kriege wie des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, des Kriegs zwischen Iran und den USA oder des Kriegs im Sudan einen neu belebten Sinn. Denn während der Text über Jahrzehnte im Verdacht eines revisionistisch-relativierenden Geschichtsbilds stand, kann er heute, in einer völlig neuen Weltordnung spätestens seit dem Februar 2022 tatsächlich dazu mahnen, die Kriegsgefangenen und die Vermissten der genannten und der vielen anderen aktuell tobenden Kriege nicht zu vergessen.

 

Der Ronsdorfer Stadtgarten ist mit der dichten Nachbarschaft seiner insgesamt sechs Denkmäler (Kriegerdenkmal, 1931 | Heimkehrerdenkmal, 1952 | Denkmal „Nie wieder Krieg“, 1981 | Eiche anlässlich der deutsch-deutschen Wiedervereinigung, 1990 | Findling anlässlich des 50. Jahrestags des Kriegsendes, 1995 | Denkmal zur Erinnerung an die in Ronsdorf erschossenen Wehrmachtsdeserteure, 2017) ein in ganz Deutschland einzigartiges Lernfeld zur deutschen Erinnerungskultur – von der Weimarer Republik über die Bundesrepublik vor und nach der Wiedervereinigung und bis heute.

 

Zum Ronsdorfer Stadtgarten liegt eine Broschüre vor, die in der Begegnungsstätte Alte Synagoge kostenlos erhältlich ist.

 

Zur Geschichte der Wehrmacht-Deserteure, die in Ronsdorf hingerichtet wurden:

Florian Hans: Wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt. Die Erschießungen von Deserteuren der Wehrmacht in Wuppertal von 1940-1945, Wuppertal 2017

"Heimkehrer-Denkmal" im Depot (Fotografie: Stadt Wuppertal, Ressort Grünflächen und Forsten)